jaehrlingsboecke105_0513-m

Geschichte - Teil 1

Vom Hobby-Schäfer zum engagierten Haarschafzüchter:
Ulf Helming und Gabi Obermark aus Augustdorf in Westfalen haben über das Kamerunschaf zum Nolana-Zuchtprojekt gefunden.

Als vor etwa drei Jahren in Schafhalterkreisen das Schlagwort „Nolana-Schafe" auftauchte, womit Schafe gemeint sind, die kein Wollvlies ausbilden, entspann sich recht schnell eine Diskussion über das Für und Wider einer solchen Zucht, die teils sachlich, teils aber auch sehr emotional geführt wurde.

Da wir uns schon seit einigen Jahren mit der Zucht solcher Schafe befassen, konnten wir feststellen, dass - sicherlich bedingt durch hohe Schurkosten und den Verfall der Wollpreise - das Interesse an diesen Tieren stetig zunimmt. Erfreulicherweise unterstützen inzwischen auch einige Landesschafzuchtverbände das Nolana-Projekt, so auch "unser" westfälischer Landesschafzuchtverband, der sich vor kurzem entschlossen hat, die Erzüchtung des Nolana-Schafes als Zuchtversuch zu betreuen.

Wir halten den jetzigen Zeitpunkt für geeignet, einmal über die Entwicklung und den derzeitigen Stand unserer Zucht bzw. unserer Kreuzungsexperimente zu berichten und hoffen, damit zur Versachlichung der Diskussion beizutragen.

Wie so oft: Es begann mit wenigen Schafen ...

Nach dem Kauf unseres Hauses, zu dem ca. 4000 m² Grundstück gehören, standen wir vor der Notwendigkeit, dieses teilweise recht verwilderte Areal in einen gepflegteren Zustand zu versetzen. So kam es dazu, dass wir uns vier Kamerunschafe als "natürliche Rasenmäher" anschafften.

Wir stellten bald fest, dass es sich bei diesen "westafrikanischen Exoten" um eine sehr robuste Rasse handelt. Das Haarkleid des Kamerunschafes besteht aus derben Grannenhaaren und fein gekräuselter Unterwolle, die zum Winter hin an Dichte deutlich zunimmt und im Frühjahr in kleinen Flöckchen wieder abgestoßen wird. Aufgrund dieser Haarstruktur kommt es auch in unserer Klimazone zu keinerlei Probleme mit den Witterungsbedingungen.

Da uns viele Eigenschaften des Kamerunschafes begeisterten, entwickelten wir aus diesen bescheidenen Anfängen im Laufe der nächsten Jahre eine Kamerun-Herdbuchzucht mit über fünfzig Mutterschafen, wobei durch Zupachtung weiterer Flächen die notwendige Futtergrundlage geschaffen wurde.

Während des Aufbaus unserer Herde stellte sich schon nach kurzer Zeit die Frage: „Wohin mit den Lämmern?"
Unsere fruchtbaren Karnerunschafe sorgten für reichlich Nachwuchs, und während die Mutterlämmer größtenteils zur Weiterzucht bei uns verbleiben konnten, gab es für die meisten Bocklämmer nur die Entscheidung, sie zu schlachten. Bei den ersten, einzelnen Böcken fiel uns der Weg zum Schlachter nicht gerade leicht, doch bald - bedingt durch steigende Tierzahl und zunehmende Anonymität - konnten wir auch diesen Verwendungszweck akzeptieren, zumal der Geschmack von Kamerunlammfleisch nicht nur uns persönlich begeisterte, sondern auch im Bekanntenkreis zu reger Nachfrage führte.
Was lag also näher, als sich einen kleinen Kundenstamm für die Direktvermarktung von Kamerunlammfleisch aufzubauen, so dass ein Teil der Kosten unseres inzwischen doch recht umfangreich gewordenen Hobbys dadurch gedeckt werden konnte.

Leichte Kamerunlämmer

Kamerun-Bocklämmer haben im Alter von sechs bis sieben Monaten ausgeschlachtet üblicherweise lediglich ein Gewicht von ca. 10 bis 13 kg. Dieser Umstand führte zu weiteren züchterischen Überlegungen. Da jegliche Steigerung des Schlachtgewichtes sich für uns in klingender Münze bezahlt machte (zumal die Schlachtkosten pro Tier unabhängig von seinem Gewicht ja immer die gleichen sind), dachten wir darüber nach, wie wir die Schlachtgewichte unserer Lämmer erhöhen könnten, ohne auf die für uns wichtigen Vorteile des Kamerunschafes verzichten zu müssen.
Zum besseren Verständnis seien diese hier erläutert:
・    Haarkleid statt Wollvlies
Scheren ist nicht notwendig, da diese Schafe sich - genau wie ein Wildschaf - durch saisonalen Haarwechsel der jeweiligen Jahreszeit anpassen. Über das Futter aufgenommene Energie kann somit mehr der Fleischbildung als der Wollvliesbildung zugute kommen.
・    Gute Pigmentierung
Pigmentierung ist ein Vitalitätsmerkmal. Die Anfälligkeit gegenüber UV-Strahlung (Sonnenbrand) ist bei einem pigmentierten Tier geringer. Die Zucht auf gut färbbare weiße Wolle ist bei einem Haarschaf unnötig.
・    Asaisonale Brunst
In Kombination mit guter Fruchtbarkeit und einer verkürzten Zwischenlamzeit von ca. acht Monaten erreicht man eine höhere Lämmerzahl und kann Schlachtlämmer über das ganze Jahr anbieten.
・    Leichtlammigkeit und gute Muttereigenschaften
Sie ersparen Tierarztkosten und vereinfachen die Lämmeraufzucht.

Nachdem wir zunächst noch glaubten, unsere Wunschvorstellung über Selektion innerhalb der Rasse verwirklichen zu können, erkannten wir schon bald, dass wir nach gewissen Anfangserfolgen für unsere schwereren Mutterschafe keine fremden Kamerunböcke fanden, die uns im Punkt Schlachtgewichtserhöhung weiterbringen konnten.

”Unsere” Zuchtziele
・    Haarkleid mir Grannenhaaren und Unterweolle, ähnlich dem des Wildschafes; durch saisonalen Haarwechsel der jeweiligen Jahreszeit angepasst. Keine Wollvliesausbildung, daher ist Scheren nicht notwendig.
Gut pigmentierte Haut, farbiges Haarkleid und dunkle Klauen als Schutz gegen Witterungseinflüsse, insbesundere UV-Strahlung. Die Zucht auf gut färbbare, weiße Wolle ist bei einem Haarschaf nicht mehr notwendig.
Schafe im mittleren Rahmen mit gutem Fundament, zur Landschaftspflege geeignet. Frohwüchsige Lämmer, die im Alter von etwas 5 Monaten ihre Schlachtreife von mit ca. 40 kg erreicht haben.
Gute Ausprägung der wertvollen Fleischpartien, das Fleisch ist fettarm, zart und wohlschmeckend.
Fruchtbare Schafe mit guten Muttereigendchaften, leichtlammig. Zwillingsgeburten bei entsprechender Futtergrundlage. Asaisonales Brunstverhalten, drei Ablammungen in 2 Jahren sind möglich.

Reinzucht setzte Grenzen

Uns wurde klar, dass wir nur durch Einkreuzung einer fleischbetonten Rasse unserem Ziel näher kommen konnten. Dafür waren wir bereit, zu akzeptieren, dass bei den Kreuzungstieren zunächst zu Gunsten eines höheren Schlachtkörpergewichtes einige der Vorzüge des Kamerunschafes auf der Strecke bleiben würden.
Wir hatten uns jedoch vorgenommen, durch Weiterzucht und Selektion der Kreuzungstiere letztendlich eine neue Haarschafrasse zu züchten. Es musste doch möglich sein, eine Rasse zu erzeugen, welche die oben angesprochenen Vorzüge des Kamerunschafes und die Fähigkeit, schwerere Schlachtkörper auszubilden, in sich vereinte.

Mit Merinoland gekreuzt

Da wir zum damaligen Zeitpunkt keinen Zugriff auf eine größere Haarschafrasse als Kreuzungspartner hatten, verpaarten wir unsere Kamerunschafe mit einem Bock der Rasse Merinolandschaf.
Diese Rasse schien uns deshalb besonders geeignet zu sein, weil sie neben dem guten Fleischbildungsvermögen und der Großrahmigkeit über asaisonales Brunstverhalten verfügt. Ebenso war die Marschfähigkeit dieser Rasse für uns ein wichtiger Aspekt. Da wir mittlerweile mit unseren Kamerunschafen auf Gemeindeflächen Landschaftspflege betrieben, sollten natürlich auch die Kreuzungstiere gut auf den Beinen sein, um von Fläche zu Fläche ziehen zu können.
Um sicher zu sein, dass dieser Bock möglichst rassetypisch ist wandten wir uns an einen Herdbuchzüchter und kauften dort einen Lammbock, um unsere Mutterschafe nicht zu ”überlasten". Diesem Bock teilten wir nur Mutterschafe zu, die zuvor mindestens einmal abgelammt hatten, um das Risiko von Schwergeburten zu minimieren.
Das Ergebnis dieser Kreuzung war ein interessanter Lämmerjahrgang. Im Vergleich zum Kamerunlamm lagen die Geburtsgewichte der Kreuzungslämmer um ca. 1 kg höher, dennoch kam es - wie von uns erhofft - zu keiner Schwergeburt. Wie zu erwarten, waren alle Kreuzungslämmer im Vergleich zum reinen Kamerunlamm kräftiger und frohwüchsiger. Die Bocklämmer erreichten bei ausschließlicher Weidehaltung ohne Kraftfutterzugaben innerhalb von ca. sechs Monaten ein Gewicht von 40 bis 45 kg.
Die Schlachtkörper waren insgesamt von guter Qualität, allerdings etwas fettreicher, als wir es vom Kamerunschaf her gewohnt waren.
Alle Lämmer bildeten eine kurze Wolle aus, die allerdings nicht wie beim Merinolandschaf den gesamten Körper bedeckte, sondern die untere Halspartie und der Bauch zeigten das vom Kamerunschaf her bekannte Haarkleid. Bis auf  einen hellbraun gefärbten Bock waren alle Kreuzungslämmer entweder reinweiß oder hatten vereinzelte braune Flecken.

Probleme: Fellwechsel und Behornung

Bei den weiblichen Tieren sowie zwei Böcken, die zwecks Weiterzucht in unserem Bestand verblieben, konnten wir im darauf folgenden Frühjahr den Fellwechsel beurteilen. Bis auf eine satteiförmige Partie auf dem Rücken löste sich bei allen Tieren das Wollvlies ab. Durch Verfilzung verblieb jedoch ein Großteil der bereits gelösten Haare wie eine Schabracke auf dem Schaf. Diese konnte dann erst im Zusammenhang mit den durch Scheren abgeschnittenen Haaren komplett entfernt werden. Das Gewicht dieses Vlieses lag bei etwa 1 kg.

Interessant waren auch die unterschiedlich ausgeprägten Hörner. Während die weiblichen Tiere alle hornlos waren, gab es bei den Böcken alle Stufen, von fast hornlos bis hin zu sichelförmigen Hörnern ähnlich denen eines Kamerunbockes.
Im Zusammenhang hiermit erkannten wir bald folgendes Problem: Die bei einigen Böcken recht schwach ausgeprägte Behornung hielt den innerhalb einer Jungbockgruppe üblichen Rangeleien nicht stand und brach teilweise ab, so dass diese Tiere oft mit blutigen Köpfen auf der Weide umherliefen. Neben dem unschönen Anblick fanden wir diesen Umstand auch aus tierschützerischen Gründen bedenklich.

Für unser weiteres Zuchtziel gab es also nur zwei Alternativen:
・    entweder ausgeprägte, stabile Hörner oder
Hornlosigkeit.

Wir entschlossen uns, langfristig gesehen der Hornlosigkeit den Vorrang zu geben.
Uns war klar, dass die Erzüchtung einer neuen Rasse eine Gratwanderung darstellt:
Auf der einen Seite muss man die Inzuchtproblematik vermeiden.
Andererseits darf man nicht durch wahlloses .Herumkreuzen" ein all zu großes "genetisches Wirrwarr" erzeugen, in dem es dann kaum möglich ist, die gewünschten Eigenschaften züchterisch zu festigen.
Unter diesem Aspekt wäre eine ausschließliche Weiterzucht mit den Nachkommen des ML·Bockes eine Verpaarung von Halbgeschwistern, die uns sicherlich schnell zu Inzuchtproblemen geführt hätte.
Wir waren also auf der Suche nach einem weiteren Bock, der einerseits zur genetischen Vielfalt beitragen, andererseits aber unserem Zuchtziel nahe kommen sollte.
Die Begegnung mit Wiltshire Horn
Zu diesem Zeitpunkt lernten wir Dr. Rolf Minhorst kennen. Er hatte jahrelang vornehmlich in Südamerika Untersuchungen über Haarschafe durchgeführt und hatte - bedingt durch seine jetzige Tätigkeit an der Fachhochschule in Osnabrück - begonnen, dort eine Herde von reinrassigen Wiltshire Horn Schafen aufzubauen.
Obwohl die Kriterien "weiße Färbung" und "Behornung" nicht mit unserem Zuchtziel übereinstimmten, erschienen uns die im Vergleich zum Kamerunschaf deutlich höheren Körpergewichte und vor allem die Fähigkeit zum saisonalen Haarwechsel derart vorteilhaft, dass wir uns in Osnabrück um einen Zuchtbock dieser Rasse bemühten.
Nachdem wir nach längerer Wartezeit einen dieser sehr seltenen Böcke bekommen hatten, verpaarten wir ihn mit reinrassigen Kamerun-Mutterschafen, die zuvor mindestens einmal abgelammt hatten, und auch bei diesem Lämmerjahrgang traten keinerlei Geburtsprobleme auf.
Tatsächlich erwies sich der Einsatz dieses Wiltshire Horn (WH)-Bockes für unser Kreuzungsprogramm als äußerst vorteilhaft.Alle Nachkommen aus dieser Kreuzung kamen unserem Zuchtziel eines schwereren Haarschafs son sehr nahe.
Sie waren ausnahmslos zu einem saisonalen Haarwechsel fähig, wobei die Struktur des Haarkleides im Vergleich zum Kamerunschaf noch etwas lockiger war. Etwa ein Drittel der Tiere war hellbraungrau gefärbt, ein kleiner Teil reinweiß, die meisten jedoch weiß-braun gescheckt.
Leider waren alle Tiere auch behornt. Ähnlich wie Heidschnucken bekamen die weiblichen Schafe sichelförmig nach hinten gebogene Hörner, während die Böcke kräftige Schnecken entwickelten.
Während alle weiblichen Kreuzungstiere zur Weiterzucht verblieben, wurde der größte Teil der Böcke der Schlachtung zugeführt. Die Lämmer waren sehr frohwüchsig und erreichten ihr Schlachtgewicht von ca. 40 kg im Alter von etwa fünf Monaten. Die Schlachtkörper waren von erfreulich guter Qualität und insgesamt fettärmer als die der Merinoland-Kamerun-Kreuzungen.
Zwei unterschiedliche Kreuzungsgenerationen
Zu diesem Zeitpunkt besaßen wir also zwei unterschiedliche F1-Kreuzungsgenerationen (Filialgeneration 1 = erste Kreuzungsgeneration aus zwei verschiedenen reinen Rassen):
・    die ML x Kamerun-Kreuzung und
die WH x Kamerun-Kreuzung.
Jede dieser beiden Kreuzungen hatte für unser Zuchtziel sowohl positive als auch negative Eigenschaften. Um beide F1-Generationen miteinander zu kombinieren, verpaarten wir jeweils einen Bock der einen Kreuzung mit Mutterschafen der anderen.
Die neue Generation bestand also aus 50 % Kamerun-, 25 % ML- und 25 % WH-Genanteil. Hierdurch bedingt kam es zu einer gewissen Aufspaltung:
・    Wir erhielten sowohl größere als auch kleinere Tiere, einige waren gehörnt, andere hornlos.
Die Farbpalette reichte von reinweiß bis kamerunähnlich (braunmarkenfarben ) .
In der Fellstruktur waren alle Tiere zunächst relativ einheitlich. Alle bildeten eine kurze Wolle aus, die bei einigen glatter, bei anderen mehr gekräuselt war. Der Abhaarungsprozeß verlief jedoch unterschiedlich. Erfreulicherweise waren die mei· sten dieser Schafe zu einem saisonalen Haarwechsel in der Lage. Ein kleiner Teil jedoch behielt sein - wenn auch recht kurzes - Wollvlies und musste geschoren werden.
An dieser Stelle noch eine Bemerkung zum Haarwechsel: Bei den Kreuzungstieren, die aufgrund ihrer Haarstruktur sehr kamerunschaf-ähnlich Da uns jedoch klar ist, dass wir mit unserer relativ kleinen Zuchtpopulation dieses Ziel nicht allein erreichen können, sind wir sehr an der Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten interessiert.
Deshalb haben wir uns auch dem "Förderkreis Nolana" angeschlossen, einer Initiative, in der sowohl private Haarschafzüchter als auch wissenschaftliche Institutionen miteinander kooperieren
Wir würden uns freuen, wenn dieser Artikel über unsere Haarschafzucht dazu beiträgt, weitere Interessierte zu finden, und sind gerne bereit, mit Sachinformationen weiterzuhelfen.

Verkaufstiere

Jährlingsböcke

Jährlingsböcke zum Verkauf 2011Wir haben zurzeit verschiedene Jährlingsböcke zur Zucht abzugeben, die zum Teil für die Kör- und Absatzveranstaltung am 18.08.2011 im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse (Ostinghausen, Nähe Soest) gemeldet sind.

Seiten Statistik

  • Aktive Gäste1
  • Besucher heute52
  • Besucher diese Woche191
  • Besucher letzte Woche229
Copyright © 2017 Nolana - Haarschafe. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.